Worte zur Weihnacht

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Nicht nur auf der Erde soll Weihnachten gefeiert werden. Auch im Himmel wird die Feier vorbereitet.

Eine festliche Tafel ist aufgebaut und die Vorbereitungen in der Küche laufen auf Hochtouren.

Endlich ist es soweit. Alle Engel finden sich an der Tafel ein. Ein paar haben noch Dienst. Sie sind zu den Hirten unterwegs, um ihnen die frohe Botschaft zu sagen.

Nur ein ganz wichtiger Engel fehlt. Und das schafft doch ziemliche Verwirrung. Der Erzengel Gabriel fehlt. Ja er scheint spurlos verschwunden zu sein.

Die kleinen Engel laufen aufgeregt hin und her. Sie fragen nach ihm und suchen. Nein – ohne ihn kann die himmlische Weihnachtsfeier nicht losgehen. Schließlich ist er der Engel gewesen, der damals der Jungfrau Maria die Geburt Jesu angekündigt hat.

Wo mag er denn stecken? Der ist doch sonst so zuverlässig! Auch Gott selbst runzelt die Stirn. Und er denkt bei sich: da muß ich wohl selber noch einmal nachsehen, wo der steckt.

Gabriel aber ist unterwegs nach Bethlehem. Er hat es nicht ausgehalten vor lauter Neugierde. Er wollte selbst sehen, wie die Geschichte mit Maria und Josef weitergeht. Das ist ja so spannend. Das kann ich mir nicht entgehen lassen.

Und während er so durch die Gassen von Bethlehem läuft, hätten ihn fast drei eilige Gestalten umgerannt. Gerade noch kann er in eine dunkle Ecke springen.

Was waren das denn für welche? denkt er. Dem Geruch nach und dem zerlumpten Aussehen nach waren es Hirten. Ja das waren Hirten, arm und verachtet – und harte Kerle.

Und als sie schon fast weg sind hört er noch einige Worte. Was sagen die da? Die suchen ein Kind, das der Retter der Welt sein soll?

He, das ist doch auch meine Adresse. In einem Stall, in einer Futterkrippe? Das kann doch bald nicht sein! Wenn ein neuer König geboren werden soll, dann muß er doch in einem Palast zur Welt kommen!

Aber jetzt nichts wie hinterher! Die Sache muß ich sehen. Bei Gott ist man ja nie vor einer Überraschung sicher.

Und er schleicht den Hirten hinterher. Da – tatsächlich! In einen Stall treten sie ein.

Heimlich schleicht auch der Engel Gabriel in den Stall. Er versteckt sich hinter einem Balken. Gerade so, daß er alles gut sehen kann, aber selbst nicht gesehen wird.

Und er erkennt Maria sofort wieder. Sie sieht erschöpft aus. Das ist ja verständlich, denkt Gabriel. Die weite Reise in ihrem Zustand. Von Nazareth bis hierher nach Bethlehem – das sind über hundert Kilometer zu Fuß. Und dann hat sie eben den kleinen Sohn geboren, den ich ihr angekündigt habe.

Aber trotz all der Strapazen macht sie doch einen glücklichen Eindruck. Sie freut sich über das Kind. Ihre Augen leuchten, wenn sie so voller Liebe auf das Kind sieht.

Und sie blickt auf die Hirten. Etwas verwundert zwar, aber doch merkt Gabriel, daß sie versteht, was da die Hirten sagen.

Die Hirten sagen, daß Engel bei ihnen waren. Sie sind erschrocken, weil es mitten in der Nacht taghell wurde. Völlig verwirrt sind sie gewesen. Und der Engel sagte ihnen: fürchtet euch nicht. Ich verkündige euch große Freude. Euch ist heute der Heiland, der Retter geboren. Geht nach Bethlehem. Ihr werdet dort ein Kind finden, in einem Stall, in einer Futterkrippe.

Und nun finden sie es genauso, wie der Engel es ihnen angekündigt hat. Maria lächelt und denkt daran zurück, wie damals Gabriel ihr das Kind angekündigt hat. Sie versteht die Freude der Hirten.
Und die Hirten sagen. Stellt euch vor: zu uns kommen Engel und reden mit uns. Mit uns will doch sonst niemand was zu tun haben. Wir sind die Ärmsten und die, die am meisten verachtet sind. Gewiß, wir sind auch keine vorbildlichen Leute. Wir sind hart und auch oft böse.

Und doch schickt Gott seine Engel zu uns. Gott will anscheinend etwas mit uns zu tun haben. Sonst hätten wir doch nicht erfahren, was hier geschieht.

Ja, was hier geschieht – denkt Gabriel. Hier liegt der Retter der Welt. In Jesus fängt Gott neu mit den Menschen an. Und da fängt er ganz unten an. Zu den Armen und Verachteten geht er, um sie alle zu retten.

Aus diesen harten Gesellen, die draußen auf dem Feld leben werden hier vor dem Kind andere Menschen. Sie knien vor der Krippe und Gabriel sieht es ihren Gesichtern an. Frieden, wie es ihnen die Engel angesagt haben. Frieden spiegelt sich auf ihren Gesichtern wieder.

Sie stehen auf. Was könnten sie denn dem Kind schenken? Der eine läßt ein Fell da, daß das Kind sich wärmen kann. Und der zweite läßt seinen Hirtenstab da. Oft hat er mit diesem Stab hart zugeschlagen. Das ist nun vorbei – damit das Kind – wie er sagt – seinen Weg machen kann in unserer Welt, hin zu den Herzen der Menschen, die so dringend Frieden brauchen. Und der dritte greift in seine Tasche und holt die längst vergessene Flöte heraus. Hier, sagt er zu Maria, damit das Kind das Lied von der Liebe Gottes zu uns Menschen spielen kann.

Die Hirten machen sich auf den Weg. Aus den eigentlich schweigsamen Gesellen sind welche geworden, die den Menschen erzählen werden, wie sehr Gott seine Welt liebt.

Bei denen ist Weihnachten geworden, denkt Gabriel. Oh Schreck! – denkt Gabriel. Noch ein letzter Blick auf das Kind und auf Maria und Josef. Fast kann er sich nicht losreißen.

Aber nun schnell an die himmlische Tafel.

Als er sich heimlich in den himmlischen Festsaal schleichen will läuft er Gott über den Weg.

Beide bleiben abrupt stehen und sehen sich an. Gabriel sieht zuerst die Zornesfalte auf der Stirn Gottes und denkt: jetzt gibt’s Ärger. Doch dann schaut er Gott in die Augen und er sieht die Hirten und Maria und Jesus. Und er fühlt eine endlose Liebe, die sich ganz hingibt.

Ohne ein Wort gehen die beiden in den Festsaal und feiern die Rettung der Welt. Amen

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