Weihnachtspredigt 2015

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Uwe Liebold, Diakon Königswalde

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend!
Ich hatte mal einen Chef, der uns in der Weihnachtszeit immer erzählte, wie einer seiner Leute, ein geistig behinderter Mann, immer am Heiligen Abend vormittags zum ihm ins Büro kam. Angetan mit seinem besten Anzug verkündete er jedes Jahr: so, jetzt erzähle ich dir die Weihnachtsgeschichte. Und er sagte sie auf, wie sie in Lukas 2 geschrieben steht. Und mein damaliger Chef erzählte, dass er jedes Jahr aufs Neue zutiefst von diesem Geschehen angerührt war. Die Weihnachtsgeschichte ist nicht auszuloten, sie ist die Erzählung der Hoffnung gegen alle Realitäten deines Lebens, die dich vielleicht ängstlich und klein machen, die dich vielleicht hart und bitter gemacht haben. Lukas erzählt vom Kaiser Augustus. Ganz oben in der Welt der Menschen fängt er an. Er erzählt von der Macht der Mächtigen, die dich zwingen unter Gesetze, die dir etwas zumuten und die dir manches wegnehmen. Das ist heute nicht anders als damals. Und sie haben ihre Helfer, die heißen Quirinius oder wie auch immer deine Statthalter heißen mögen. Sie treiben ein junges Paar vor sich her, wie so viele andere auch. Und es spielt keine Rolle, in welcher Not die Frau ist. Die Umstände sind niedrig, wie es niedriger nicht geht. In einem Stall. Lukas erzählt von oben bis nach ganz unten. Vom Kaiser bis er schließlich bei den Hirten ankommt, bei denen, die verlaust und verdreckt da draußen auf deinen Feldern herumlungern. Doch dann durchbricht er die steil nach unten zeigende Linie und reißt den Himmel auf. Es wird Licht auf dem Feld. Der Himmel geht auf.

Gott bricht dort ein, wo es am dunkelsten ist. Aber wie schwer kann Gott ankommen in der Welt der Reichen und Satten? Gott zieht übers Land und findet keine Herberge. Die Häuser derer, in denen sich die Tische am heiligen Abend biegen, sie bleiben verschlossen. Seht zu wo ihr bleibt, heißt es hinter den Türen. Wir können doch nicht jeden aufnehmen! Was, auch noch schwanger! Na ihr habt Nerven. In einem Stall. Welche werdende Mutter träumt sich das so? Und dann noch die Besucher in jener Nacht. Hirten! Lumpengesindel! Die galten nicht mal als Zeugen vor Gericht. Die erzählen eine Geschichte, die fast nicht zu glauben ist. Und dann kommen noch drei Verrückte – Zeichendeuter, Himmelsgucker – die einem Stern gefolgt sind über Tage und Wochen, die von einer Idee wie besessen sind. Und sie alle erzählen von einer Hoffnung gegen die Realitäten des Lebens. Diese Worte der Hirten und der Sternendeuter, sie gehen vorüber an den Häusern mit den reich gedeckten Tischen. Wie auch Gott an diesen Häusern vorübergeht, hin in den Stall, hin zu den Hirten. Gott geht dahin, wo es am dunkelsten ist. Und schließlich, liebe Gemeinde: Ein Kind. Gott wird zum Kind und gibt sich in die Hand des Menschen. Er gibt sich in deine Hand. Das weißt du, wie das ist, wenn du in der Nacht am Bett deines Kindes gestanden hast und dein Herz erfüllt war von Liebe. Das hat Gott dir ins Herz gelegt, diese Fähigkeit zur Liebe, zur Fürsorge, zum Dasein für einen Menschen. Und du siehst die leuchtenden Augen deines Kindes und du denkst an die vielen Weihnachtsfeste bis hin zu denen, als du selbst als Kind vor dem Baum standest, voller Hoffnung und Sehnsucht.

Wo Kinder sind, da beginnt ein neues Zeitalter, so hieß es vorhin im Krippenspiel.Gott muss als Kind zu dir kommen. Er will deine Fähigkeit zur Liebe neu wecken, will sie vielleicht mit dem Lachen eines Kindes herauskitzeln. Er will, dass du dein Herz aufmachst – und deine Türen. Lass es nicht zu, dass er an deinem Haus vorbeigeht. Verlangt er da zu viel von dir? Gott ist der Flüchtling geblieben, liebe Gemeinde. Nicht lange nach der Geburt ziehen die Schergen des Herodes aus und morden alle Kinder zu Bethlehem. Maria, Josef und Jesus sind auf der Flucht. Sie müssen in ein Land ziehen, in das sie nicht wollen. Da ist viel Dunkel in der Geschichte, die Lukas erzählt. Aber in dieses Dunkel hinein kommt Gott und macht es hell. Mit jeder Hoffnung, die du einem Menschen gibst, macht Gott die Welt ein Stück heller. Fürchtet euch nicht! So sagt der Engel zu den Hirten. Fürchte dich nicht liebe Gemeinde, nicht um dein Haus und deinen Wohlstand. Wenn der Heiland der Welt bei dir einzieht, dann bist reicher als du dir vorstellen kannst.
In jedem Menschen, der deine Hilfe braucht, kann dir Gott begegnen.

Fürchte dich nicht vor ihm!
Amen