Frösi Weihnachtsheft Jahrgang 1955

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Weihnachtsheft der Jugendzeitung Frösi , Jahrgang 1955

Die Texte und Bilder dieser historischen Zeitung zeigen die Bedeutung des Weihnachtsfestes in der damaligen DDR

Fröhliche Weihnacht, Cover der Zeitung FRÖSI

Seite 1


Max Zimmering, Heinrich-Mann-Preisträger
Weihnachtsgedicht

‚Ein junges Tännenpärchen stand am windgeschützten Waldesrand und plauderte ganz wohlgemut, wie’s wer viel Zeit hat, gerne tut. Ich hatte, rief der eine Baum, heut einen wundervollen Traum: Ich stand auf einem Weihnachtstisch, der einem schönen Märchen glich. Da saßen Kinder ganz beglückt, weil ich so reich mit Licht geschmückt, mit Eistau und mit Marzipan und einem Schokoladenhahn und andern guten Sachen, die jedem Freude machen.“ Der zweite sagte aufgeräumt: „Hab’ ganz was Ähnliches geträumt. Ich war, wie du, ein Weihnachtsgast und trug die gleiche Zuckerlast. Der Tisch war von Geschenken voll, drei Kinder freuten sich wie toll, als sie da ausgebreitet sahn das Hauptgeschenk die Eisenbahn! Doch auch die Mutter war entzückt, denn Eva hatte ihr, gestrickt ein warmes Winterhandschuhpaar aus echter Wolle, xxxxx. Und auch der Vater, lachte froh, dem hatten nämlich Lutz und Jo Zigarren, die er liebt, geschenkt und – denk dir nur – an mich gehängt, wo sie mit andern Dingen, wie Tannenzapfen hingen.“

Da hub das andere Bäumchen an:
„Als dann der Weihnachtsschntaus begann, erfüllte sich des Zimmers Luft mit einem angenehmen Duft, denn auf dem Tisch stand knusprig-braun, fast zum Verlieben anzuschaun, die Weihnachtsgans, so groß wie nie, und Vater sagte: Mutter, sieh, wie’ist die Tafel uns gedeckt mit allem, was uns freut und schmeckt, viel reicher, als es früher war, doch ärmer als im nächsten Jahr, denn, wo das Volk sich selbst regiert, ein steter Weg nach aufwärts führt, weil das, was wir erschaffen, nicht fremde Hände raffen.

Das zweite Bäumchen meinte nun. „Bei uns, da gab es Fisch und Huhn, auch Nußgebäck, auch Obst, auch Wein und Mutter sagte: Weißt du, Helft: Wie ist doch ‚wundervoll die Welt, wenn nachts kein Bombenregen fällt, wenn nicht des Krieges bittere Not der Menschen Haus und Hof bedroht, wenn jedem Volk beschert der Frieden, Frieden, Frieden!‘

Ein junges Tannenpärchen, stand am windgeschützten Waldesrand und plauderte ganz wohlgemut, wie’s, wer viel Zeit hat, gerne tut. Die Worte, die sie ausgetauscht, die habe ich für euch belauscht, und, sitzt ihr dann beim Weihnachtsbaum, denkt an der beiden Bäumchen Traum. Ich selbst wünsch euch das Beste zum frohen Weihnachtsfeste

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Eine Weihnachtsfeier mit unserem Präsidenten

Wilhelm Pieck, Präsident der DDR
Wilhelm Pieck als Gast einer Kinderweihnachtsfeier


Einmal im Jahr im Dezember — hat das Zentralhaus der Jungen Pioniere in Lichtenberg einen großen, festlichen Tag. Dann duftet es weihnachtlich im ganzen Haus, und die Treppen und Flure sind mit bunten Pfefferkuchenhäuschen, verschneiten Winterlandschaften und Märchenfiguren verkleidet. Im festlich geschmückten großen Saal stehen zu beiden Seiten der Bühne zwei riesige Tannenbäume im Lichterglanz, und die Blicke der jungen Gäste, die an den gedeckten Tischen sitzen, sind erwartungsvoll auf die Eingangstür gerichtet. Die Gespräche der Kinder sind verstummt. Viele von ihnen können es noch nicht fassen, daß in wenigen Minuten der Präsident unserer jungen Republik, Wilhelm Pieck, durch diese Tür in den Saal hereintreten wird, um mit allen Kindern frohe, unvergeßliche Stunden zu verleben. Aber schauen wir uns die jungen Gäste etwas näher an: dort sitzt das Aschenbrödel neben dem Froschkönig, da Schneewittchen und Dornröschen, hier der gestiefelte Kater, Hand in Hand Rotkäppchen mit dem tapferen Schneiderlein, daneben Schneeweißchen und Rosenrot — man möchte kaum glauben, daß sie alle Junge Pioniere und Schüler sind, die sich durch fleißiges Lernen in der Schule ausgezeichnet haben.

Weihnachtsfeier in der DDR, Wilhelm Pieck
Wilhelm Pieck im Kreise der Kinder bei einer Weihnachtsfeier

Plötzlich entsteht Bewegung im Saal. Die Kinder, die dicht neben der Tür sitzen, springen von ihren Plätzen auf, denn in diesem Augenblick ist der Präsident eingetreten. Jetzt löst sich auch die erwartungsvolle Spannung, von der bisher die jungen Gäste befangen waren. Jubel, Begeisterung, Händeklatschen — fröhliches Kinderlachen klingt auf, und mit einem zierlichen Knicks überreicht das Rotkäppchen dem hohen Gast einen herrlichen Blumenstrauß. Woran mag der Präsident wohl denken, als er mit seinem gütigen, väterlichen Lächeln die Reihen der Kinder entlangschreitet? Denkt er vielleicht an seine eigene Jugend zurück, an Weihnachtsfeiern ohne Lichterglanz und Kinderlachen, an die verängstigten Gesichter in den Luftschutzkellern oder an die Kinder der eingekerkerten westdeutschen Patrioten, die mit glanzlosen Augen vor dem leeren Gabentisch stehen? Wie sorglos und glücklich dagegen können die Kinder in unserer Deutschen Demokratischen Republik ihr Weihnachtsfest begehen!  Noch einmal nickt der Präsident allen seinen jungen Freunden lächelnd zu, dann nimmt er an einem der Tische dicht an der Bühne Platz. Damit ist das Zeichen zur Eröffnung der Kaffeetafel gegeben. Wie gut mundet allen Kindern heute die leckere Torte und die süße Sahne! Aber schon werden die Blicke der Gäste zur Bühne gelenkt. Atemberaubend sind die Kunststücke der Jongleure und Zauberer, und fröhliches Lachen klingt durch den Saal, als das Zebra — längst haben alle gemerkt, daß unter seinem gestreiften Fell zwei Artisten versteckt sind — in lustigen Sprüngen auf der Bühne herumtollt. Nun erwartet die Gäste eine weitere Überraschung. Ein Mädchen kommt auf die Bühne und singt ein kleines Weihnachtslied vor, in das nach und nach alle fröhlich einstimmen. Das Mädchen auf der Bühne fordert jetzt alle Gäste zu einem Sängerwettstreit heraus. Der Saal wird in zwei große Gesangsgruppen eingeteilt, und zwar singt zunächst die linke Hälfte, danach die rechte Hälfte des Saales. Zu dieser Gruppe gehört auch der Präsident. Einstimmig wird entschieden, dass die rechte Saalhälfte als Sieger aus diesem Gesangswettbewerb hervorgegangen ist. Dem Sieger winkt ein wunderschöner Apfel zum Lohn. Soll man nun den Apfel in Hunderte von Teilen zerlegen? Es wäre schade darum, und deshalb wird beschlossen, dass der beste Einzelsänger den Apfel erhalten soll. „Und wer von euch ist nun der beste Einzelsänger?“ fragt das Mädchen, welches das Lied mit allen Gästen einstudiert hat.

Da braust erneuter Jubel auf: „Unser Präsident! Der Präsident soll den Apfel bekommen!“ Doch der Präsident ist mit dieser Entscheidung nicht ein­verstanden. „Liebe Kinder“, sagt er lächelnd, „hört, warum ich den Apfel nicht annehmen kann: Das Urteil hat mich sehr geehrt, der Apfel ist auch sehr begehrt — doch Ehre dem, dem sie gebührt, der dieses Liedlein einstudiert!“ Nachdem das Mädchen den Apfel aus der Hand des Präsidenten zurückerhalten hat, stellen sich die Kinder zur großen Polonäse auf. Unter der Führung des Weihnachtsmannes geht es durch alle Räume des Zentralhauses bis in den „Märchensaal“, wo die Prämiierung der 12 besten Kostüme stattfindet. Damit hat der „offizielle“ Teil der Weihnachtsfeier seinen Abschluß gefunden. Die Kinder erfreuen sich nun an den Attraktionen und Belustigungen, beim Angelspiel, an den ferngesteuerten Schiffchen, beim Traktorspiel, auf der Drehtrommel und erproben ihre Geschicklichkeit beim Zielwerfen. Große Freude löst es aus, als der Präsident beim Armbrustschießen schon mit dem zweiten Schuß „ins Schwarze“ trifft. Als das Spielen und Tollen seinen Höhepunkt erreicht hat, verläßt der Präsident das Zentralhaus, unbemerkt von den Kindern, denen die Stunden bei fröhlichem Spiel und Tanz wie im Fluge verrinnen. Zum Andenken an diese schöne Weihnachtsfeier erhält jedes Kind eine Weihnachtstüte und je nach Wunsch ein Buch oder ein Spiel überreicht. Nach und nach verlöschen die Lichter in allen Räumen des Zentralhauses, doch der Glanz des Weihnachtsbaumes spiegelt sich noch lange in den Augen der Kinder wider.


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Laß die Sonne brennen

WEIHNACHTSLIED

Musik: Helmut Gatzka

Lied "Lass die Sonne brennen"
Lass die Sonne brennen, Helmut Gatzka

2. Muß der alte Mann mal niesen, hagelt es uns auf die Wiesen — Eis, Eis, Eis. Doch der Alte macht im Winter aus den Seen für die Kinder Eis, Eis, Eis. „Weihnachtsmann, Weihnachtsmann, unser Bau muß schnell voran, laß die Sonne brennen.“ : „Dauert sein’ Zeit, dauert sein’ Zeit, Äcker sammeln Fruchtbarkeit für die vollen Tennen.“ :

3. Endlich endet Sein Vergnügen, Sonne möchte:auch mal siegen — heiß, heiß, heiß. Saaten wollen sich entfalten, die der Alte warm gehalten — heiß, heiß, heiß. „Weihnachtsmann, Weihnachtsmann, unser Bau muß schnell voran, laß die Sonne scheinen.“  : „’s ist an der Zeit, ’s ist an der Zeit, macht euch allesamt bereit zu den Ziegelsteinen!“ :

 

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