Bischof Nikolaus – Legenden und Geschichten

Text: Hans Hofmann, Weiden Oberpfalz

Fest
6.Dezember
Bischof von Myra in Lykien; von seinem Onkel und Bischof Nikolaus zum Priester geweiht. Nach dem Tod seiner Eltern als Abt eingesetzt, später als Bischof hochverehrt. Als Todestag gilt der 6. Dezember 345 oder 351.

Nikolaus hilft in der Hungersnot
(Getreideschiff)
In der Stadt Myra herrschte große Not. Das Jahr über hatte es soviel geregnet, daß die ganze Ernte verdorben war. So konnten die Bauern kein Getreide ernten, die Müller kein Mehl mahlen und die Bäcker kein Brot backen.
„Gott hat uns verlassen!“ sagten die Menschen. Doch der Bischof Nikolaus tröstete sie. „Betet!“ sagte er. „Gott wird uns bestimmt helfen!“
Und wirklich, eines Tages legte ein großes Schiff im Hafen an, das hoch beladen war mit Korn. Von diesem Korn könnten alle satt werden. Die Menschen liefen zu dem Schiff und bettelten um das Korn. Sie wollten viel Geld dafür bezahlen. Doch die Seeleute waren nicht bereit, ihnen das Korn zu überlassen. Sie fürchteten sich vor dem Eigentümer des Schiffes, zu dem sie das Korn bringen sollten.
„Unser Herr würde meinen, wir hätten ihn bestohlen!“ sagten sie. „Er wird uns sonst sehr bestrafen!“ Da ging der Bischof Nikolaus selbst zu den Seeleuten und bat um das Korn. Er sagte: „Helft den armen Menschen. Wenn ihr uns ein paar Säcke Kom abgebt, braucht ihr keine Angst zu haben. Wenn ihr zu dem Eigentümer eures Schiffes kommt, wird euch nicht ein einziges Kom fehlen!“ Weil der Bischof so überzeugend mit den Seeleuten sprach, glaubten sie ihm schließlich. Sie schleppten viele Komsäcke vom Schiff herunter und schenkten sie den Leuten. Bischof Nikolaus sorgte dafür, daß das Mehl gemahlen wurde, das Brot gebacken werden konnte und jeder seinen gerechten Teil erhielt. Alle aßen und wurden satt.
Als die Seeleute aber später zu dem Eigentümer des Schiffes kamen, stellten sie fest, daß nicht ein einziges Kom aus ihrer Ladung fehlte. Bischof Nikolaus hatte sie also nicht belogen.

Nikolaus hilft einem armen Mann mit drei Kindern
(Die drei Säcke)
Einmal half der Nikolaus einem armen Mann mit seinen Kindern. Der Mann war so krank, daß er nicht arbeiten konnte und die Frau war gestorben. Da hatten die Leute nichts zu Essen und nichts zum Anziehen. Doch eines Morgens stand ein großer Sack vor der Tür. Als die Kinder den Sack öffneten, fanden sie Mehl und Brot. Da brauchten sie nicht mehr hungern. Am nächsten Morgen stand wieder ein Sack vor der Tür. Als die Kinder den Sack öffneten, fanden sie Hosen und Jacken, Pullover und Hemden.
„Bestimmt hat uns der Freund Nikolaus geholfen!“ sagte der Mann. „Wir wollen heute abend gut aufpassen. Vielleicht kommt er noch einmal zu uns. Dann können wir ihm alles danken!“ Sie warteten so lange, bis ihnen die Augen zufielen. Der Vater versuchte wach zu bleiben. Aber er wurde auch immer müder. Da hörte er plötzlich ein Geräusch vor der Tür. Er sprang auf und lief hinaus. Auf der Straße sah er einen Mann davongehen. Der kranke Mann lief ihm so schnell nach, daß er ihn noch erreichte. Er erkannte den Bischof Nikolaus und dankte ihm von ganzem Herzen. Doch der Bischof sagte freundlich: „Es ist schon gut! Gehe schnell zurück nach Hause, denn es ist kalt. Du willst doch bald wieder gesund werden!” Dann ging er weiter.
Als der Mann zurückkam, stand wieder ein Sack vor der Tür. Der Mann weckte seine Kinder. Sie öffneten den Sack und fanden Schuhe darin, so daß sie nicht mehr barfuß laufen mußten. Als sie die Schuhe aber anziehen wollten, merkten sie, daß in den Schuhen Spielzeug steckte. Weil sie so arm waren, hatten sie noch nie Spielzeug geschenkt bekommen. Deshalb freuten sie sich sehr!

Nikolaus hilft Amalfi
(Drei goldene Kugeln)
Vor langer Zeit lebte in der Hafenstadt Myra ein armer Mann. Amalfi hieß er. Er hatte Frau und drei Töchter. Jeden Tag ging Amalfi auf den Marktplatz, um Arbeit zu suchen, z. B. Holz hacken für reiche Leute, Säcke tragen und vieles mehr. Mit dem bißchen Geld, das er verdiente, kaufte er für seine Familie, was sie notwendig zum Leben brauchte, vor allem das tägliche Brot. Eines Tages wurde Amalfi krank. Er konnte nicht auf den Marktplatz gehen, um Geld zu verdienen. Wovon sollte seine Familie leben? Hunger zog ins Haus. Wir müssen wohl an Hunger sterben, dachte Amalfi. Auch seine Frau und seine drei Töchter verloren alle Hoffnung. Wie soll es nur weitergehen? Die drei Mädchen, jung und schön, hätten auch gerne einen lieben Mann geheiratet. Aber weil sie arm waren, keinen Pfennig besaßen, um zu besorgen, was man braucht, um eine Familie zu gründen, Wäsche, Geschirr, Tisch und Bank, Betten wollte niemand um ihre Hand bitten. Der Wirt aus der Hafenkneipe hatte von der Not des Amalfi und seiner Familie gehört. Er kam eines Abends zu Amalfi und flüsterte ihm ins Ohr: „Gib mir deine drei Töchter. Du bekommst von mir dafür drei Silberstücke und deine Not hat ein Ende”. Amalfi wußte, was für ein schlechter Mensch der Wirt war. Er wußte, daß der Wirt seine Töchter Weiterverkäufen werde, um daran Geld zu verdienen. Aber was blieb Amalfi und seiner Familie anders übrig. Sollten sie verhungern? So willigte er ein. Am nächsten Tag schon sollten die Mädchen abgeholt werden.
Das war ein trauriger Abend. Lautes Weinen und Wehklagen erfüllte das Haus und war noch draußen auf der Straße zu hören. Bischof Nikolaus, der oft am Abend durch die Straßen seiner Stadt ging, weil er den Menschen ein guter Hirte sein und ihre Not lindem wollte, kam er auch am Hause des Amalfi vorbei. Er hörte das Klagen und Jammern. Nikolaus hatte Mitleid und wollte helfen. Leise zog er drei goldene Kugeln aus seiner Tasche und legte sie ans Fenster. Als es Tag wurde und die drei Mädchen fortgeholt werden sollten, fand Amalfi die drei goldenen Kugeln. War das eine Freude im ganzen Haus! Alle Not hatte nun ein Ende. Brot konnte gekauft werden für den Hunger, Medizin, damit Amalfi wieder gesund wurde; Geschirr, Wäsche, Betten für die Mädchen, damit sie heiraten konnten; ein Ochse und ein Wagen, so daß Amalfi als Fuhrmann nun sein Geld selbst verdienen konnte. Der Wirt mußte grimmig von dannen ziehen. Es war ihm ein gutes Geschäft entgangen. Amalfi aber feierte mit Frau und Kindern ein Fest. Sie schmückten das Haus. Sie luden Nachbarn, Verwandte und den guten Bischof Nikolaus ein. Sie feierten bis spät in die Nacht und tanzten und sangen.

Gebet: Guter Gott!
Wir danken dir für Bischof Nikolaus. Er sah die Not der Menschen und war bereit, ihnen zu helfen.Schenke uns ein gutes Herz, damit auch wir teilen und helfen wie der heilige Nikolaus. Amen!